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Bindungswirkung des gemeinschaftlichen Testaments: Schutz gegen neue Auflagen

Ganzen Artikel lesen auf: Erbrechtsiegen.de
Den Pflichtteil vom verstorbenen Vater gefordert. Jahre später erbt die Stiefmutter das Vermögen und verfügt neue Regeln – eine Testamentsvollstreckung soll die Kinder lebenslang entmündigen.
Zum vorliegenden Urteilstext springen: 2 W 35/20

Das Wichtigste im Überblick

Das Gericht stoppte die Testamentsvollstreckung, weil das alte Testament die Kinder bindend schützte.
  • Das Oberlandesgericht hob die Entscheidung auf und wies das Zeugnisverlangen zurück.
  • Die Richter sahen keine Pflichtteilsstrafe, sondern nur eine Begünstigung für zurückhaltende Kinder.
  • Die spätere Testamentsvollstreckung belastete die bindend eingesetzten Schlusserben und war deshalb unzulässig.
  • Andere Einwände, etwa zum Heimrecht oder zur Geistlichenrolle, spielten keine tragende Rolle.

  • Gericht: Oberlandesgericht Hamburg
  • Datum: 01.09.2020
  • Aktenzeichen: 2 W 35/20
  • Verfahren: Beschwerde im Nachlassverfahren
  • Rechtsbereiche: Erbrecht, Testamentsauslegung, Testamentsvollstreckung
  • Streitwert: 40.000 €
  • Relevant für: Erben, Testamentsvollstrecker, Nachlassgerichte

Was bedeutet die Bindungswirkung des gemeinschaftlichen Testaments?

Eine Bindungswirkung ergibt sich im deutschen Erbrecht bei gemeinschaftlichen Testamenten maßgeblich aus den §§ 2271 und 2289 BGB. Ob bestimmte Verfügungen innerhalb eines solchen Dokuments wechselbezüglich zueinander stehen, richtet sich im Zweifel nach der gesetzlichen Auslegungsregel des § 2270 Abs. 2 BGB. Dieser Mechanismus sorgt dafür, dass bindend eingesetzte Schlusserben vor späteren Beschwerungen geschützt werden, die ihre rechtliche und wirtschaftliche Position nachteilig beeinträchtigen würden. Ein im Jahr 1970 beurkundetes Testament bildete den Ausgangspunkt für eine weitreichende gerichtliche Auseinandersetzung über exakt diese Schutzfunktion. Darin hatten sich Eheleute gegenseitig zu Alleinerben eingesetzt und die Kinder des Ehemannes aus dessen erster Ehe zu gleichen Teilen als Schlusserben des längstlebenden Ehepartners bestimmt. Als sich Jahre nach dem Tod beider Partner ein Konflikt um eine nachträglich eingesetzte Testamentsvollstreckung entzündete, griff das Oberlandesgericht Hamburg (Az. 2 W 35/20) ein. Die Richter gaben der Beschwerde zweier Erbinnen statt und verweigerten die Ausstellung eines Testamentsvollstreckerzeugnisses. Die nachträgliche Anordnung der Erblasserin aus dem Jahr 2007 stellte eine unzulässige Beschwerung der Schlusserben dar, da deren Einsetzung wechselbezüglich zur Alleinerbenstellung der Ehefrau durch den Ehemann war.

Redaktionelle Leitsätze

  1. Enthält ein gemeinschaftliches Testament lediglich eine Begünstigung für diejenigen Schlusserben, die auf ihren Pflichtteil verzichten, führt die bloße Geltendmachung des Pflichtteils nicht zum Verlust der Erbenstellung….

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