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Pflichtverteidiger bei schwieriger Sachlage: Anspruch durch Super-Recognizer-Beweis

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Ein Video vom Fußballspiel, ein Super-Recognizer: Die Polizei identifiziert Sie – ohne Wahllichtbildvorlage, gestützt auf eine wissenschaftlich umstrittene Methode. Das Gericht lässt die Beweise zu. Macht ausgerechnet diese Beweisnot die Sache so schwierig, dass der Staat die gesamte Verteidigung bezahlen muss? Eine Entscheidung des Landgerichts Gera zeigt, worauf es ankommt.
Zum vorliegenden Urteilstext springen: 7 Qs 3/25

Das Wichtigste im Überblick

Das Landgericht ordnete eine Pflichtverteidigerin bei, weil die Täteridentifikation umstritten und kompliziert war.
  • Das Gericht hob die Ablehnung des Amtsgerichts Jena auf und half dem Angeklagten.
  • Es sah schwierige Beweisfragen wegen Videoaufnahmen und widersprüchlicher Super-Recognizer-Einschätzungen.
  • Die Akte dokumentierte keine Vorlage unverdächtiger Vergleichspersonen für den Abgleich.
  • Der Angeklagte konnte diese Fragen ohne Verteidiger kaum sachgerecht prüfen.

  • Gericht: LG Gera
  • Datum: 19.01.2026
  • Aktenzeichen: 7 Qs 3/25
  • Verfahren: Sofortige Beschwerde
  • Rechtsbereiche: Strafrecht, Pflichtverteidigung, Beweisrecht
  • Relevant für: Angeklagte, Verteidiger, Staatsanwaltschaft, Gerichte

Wann erfolgt die Beiordnung Pflichtverteidiger bei schwieriger Sachlage?

Gemäß Paragraf 140 Absatz 2 der Strafprozessordnung liegt ein Fall der notwendigen Verteidigung vor, wenn die Sach- oder Rechtslage als schwierig einzustufen ist. Eine komplexe Sachlage ergibt sich oftmals aus dem Umfang oder der besonderen Schwierigkeit der anstehenden Beweisaufnahme. Dies trifft unter anderem dann zu, wenn ein Sachverständigengutachten als entscheidendes Beweismittel herangezogen werden soll und fundiert geprüft werden muss. In solchen Konstellationen ordnet der Staat dem Betroffenen einen Anwalt bei, um ein faires Verfahren zu gewährleisten.

Paragraf 140 Absatz 2 der Strafprozessordnung regelt, wann ein Beschuldigter Anspruch auf einen Pflichtverteidiger hat – also einen Anwalt, der vom Staat bezahlt wird, wenn der Betroffene sich keinen eigenen leisten kann. Eine schwierige Sach- oder Rechtslage liegt vor, wenn der Fall so komplex ist, dass ein Laie die rechtlichen oder tatsächlichen Fragen nicht allein bewältigen kann, etwa weil komplizierte Beweismittel wie Gutachten oder Videoaufnahmen eine zentrale Rolle spielen.

Wer als Beschuldigter mit einer komplexen Beweislage konfrontiert ist – etwa wenn Videoaufnahmen oder Sachverständigengutachten im Zentrum stehen – sollte sofort einen Antrag auf Beiordnung eines Pflichtverteidigers stellen. Die Schwelle dafür ist in solchen Fällen regelmäßig erreicht.

Den konkreten Maßstab für eine solche Beiordnung bestätigte das Landgericht Gera (Aktenzeichen 7 Qs 3/25) in einem Ermittlungsverfahren aus dem Jahr 2026. Das Gericht gab der Beschwerde statt und stellte dem beschuldigten Fußballfan weisungsgemäß eine Pflichtverteidigerin zur Seite, wobei die Staatskasse die Kosten übernahm. Dem Mann wurde vorgeworfen, sich im November 2024 nach einem Spiel in gewalttätige Auseinandersetzungen verwickelt und dabei Landfriedensbruch, schweren Hausfriedensbruch sowie einen Verstoß gegen das Vermummungsverbot begangen zu haben….


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