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Rechtsanwälte Kotz GbR

Auskunftsanspruch nach § 2314: BGH bestätigt Rechte nach Erbausschlagung

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Erbschaft ausgeschlagen, den Pflichtteil an die Stieftochter abgetreten. Keinen Cent vom Nachlass gesehen – und keine Ahnung, was er wirklich wert ist. Der Erbe stellt sich quer: Auskunft gebe er nur dem, der den Anspruch noch hat.
Zum vorliegenden Urteilstext springen: IV ZR 60/22

Das Wichtigste im Überblick

Erben müssen Auskunft über den Nachlass erteilen, wenn ein Pflichtteilsberechtigter sein Erbe zuvor rechtmäßig ausgeschlagen hat.
  • Pflichtteilsberechtigte behalten ihr Recht auf Auskunft auch nach einer Ausschlagung des Erbes.
  • Das Gesetz behandelt ausschlagende Personen rückwirkend so, als wären sie niemals Erben gewesen.
  • Ein abgetretener Geldanspruch lässt das eigene Recht auf Information über den Nachlass unberührt.
  • Das Gericht verpflichtet Erben zur Vorlage eines Verzeichnisses über alle Schenkungen des Erblassers.

  • Gericht: Bundesgerichtshof
  • Datum: 30.11.2022
  • Aktenzeichen: IV ZR 60/22
  • Verfahren: Revision gegen Urteil des OLG Stuttgart
  • Rechtsbereiche: Erbrecht
  • Streitwert: bis 1.000 €
  • Relevant für: Erben, Pflichtteilsberechtigte, Rechtsanwälte für Erbrecht

BGH stärkt Auskunftsrecht für pflichtteilsberechtigte Nichterben

Der Anspruch auf Auskunft steht einem pflichtteilsberechtigten Nichterben gegen den Erben zu. Er dient als unselbständiger Hilfsanspruch zur Ermittlung der genauen Pflichtteilsbemessung. Das bedeutet konkret: Dieser Anspruch ist kein Selbstzweck, sondern dient nur dazu, den eigentlichen Geldanspruch überhaupt erst berechnen zu können. Das Gesetz differenziert in § 2314 Abs. 1 Satz 1 BGB nicht nach dem Grund, warum die Erbenstellung fehlt.

„Ist der Pflichtteilsberechtigte nicht Erbe, so hat ihm der Erbe auf Verlangen über den Bestand des Nachlasses Auskunft zu erteilen.“ (§ 2314 Abs. 1 Satz 1 BGB)

Zwei Brüder, Kinder eines im Jahr 2015 verstorbenen Erblassers, stritten bis vor den Bundesgerichtshof über die Reichweite dieses Auskunftsrechts. Ein Sohn verlangte als Pflichtteilsberechtigter umfassende Informationen von seinem Bruder, der vom Vater als Erbe und Testamentsvollstrecker eingesetzt worden war. Der Bundesgerichtshof bestätigte am 30. November 2022, dass die Verurteilung zur Auskunftserteilung auf der ersten Stufe der Stufenklage bestehen bleibt (Az. IV ZR 60/22). Eine Stufenklage ist ein besonderes Verfahren, bei dem der Kläger zuerst die Auskunft erzwingt, um im nächsten Schritt die genaue Geldsumme fordern zu können.

Redaktionelle Leitsätze

  1. Ein pflichtteilsberechtigter Abkömmling, der die Erbschaft nach § 2306 Abs. 1 BGB ausschlägt, ist im Sinne von § 2314 Abs. 1 Satz 1 BGB als Nichterbe zu behandeln und kann daher vom Erben Auskunft über den Nachlassbestand verlangen; auf den Grund der Ausschlagung kommt es dabei nicht an….

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