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Rechtliches Gehör bei Volljährigenadoption: BVerfG stärkt Rechte leiblicher Kinder

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Ein neuer Bruder, adoptiert mit 50. Das Berliner Testament machte ihn zum Schlusserben – den leiblichen Sohn zum Außenseiter. Er fürchtete um sein Erbe. Vom Adoptionsverfahren erfuhr er nichts, das Amtsgericht hörte ihn nie an. Durfte man seinen Anspruch auf rechtliches Gehör einfach übergehen? Die Antwort gab das Bundesverfassungsgericht.
Zum vorliegenden Urteilstext springen: 1 BvR 571/23

Das Wichtigste im Überblick

Gerichte müssen leibliche Kinder bei der Adoption von Erwachsenen umfassend über alle wichtigen Informationen informieren.
  • Das Amtsgericht verschwieg dem Sohn wichtige Dokumente und Aussagen über die geplante Adoption.
  • Betroffene Kinder haben ein Recht auf Gehör zum Schutz ihrer familiären und materiellen Interessen.
  • Ohne vollständige Aktenkenntnis können Angehörige ihre Rechte und Einwände nicht wirksam vortragen.
  • Mögliche finanzielle Motive für eine Adoption muss das Gericht zwingend prüfen und berücksichtigen.

  • Gericht: Bundesverfassungsgericht
  • Datum: 31.10.2023
  • Aktenzeichen: 1 BvR 571/23
  • Verfahren: Verfassungsbeschwerde
  • Rechtsbereiche: Verfassungsrecht, Familienrecht
  • Relevant für: Adoptivkinder, leibliche Kinder, Erben, Familiengerichte

BVerfG: Warum der Sohn beim Adoptionsverfahren mitreden darf

Artikel 103 Absatz 1 des Grundgesetzes garantiert Beteiligten und materiell betroffenen Nichtbeteiligten das Recht, sich zu einem Sachverhalt und der Rechtslage zu äußern. Das sind Personen, die zwar nicht offiziell als Partei am Verfahren teilnehmen, deren Rechte aber durch das Ergebnis direkt berührt werden. Gerichte müssen den für eine Entscheidung wesentlichen Sachverhalt mitteilen und die Ausführungen der Betroffenen in Erwägung ziehen. Dieser Anspruch gilt auch in der freiwilligen Gerichtsbarkeit – also in Verfahren wie Adoptionen oder Erbschaftssachen, in denen das Gericht gestaltend tätig wird – und unabhängig von einer förmlichen Beteiligtenstellung.

Das Bundesverfassungsgericht wandte diese Grundsätze in einem Beschluss vom 31. Oktober 2023 (Az. 1 BvR 571/23) an, nachdem ein Sohn in einem Adoptionsverfahren seines Vaters unzureichend informiert worden war. Die Verfassungsrichter gaben der Beschwerde des Sohnes teilweise statt und stellten eine Verletzung des rechtlichen Gehörs fest. Zuvor hatte das Amtsgericht Schöneberg (Az. 24 F 94/22) die Adoption ausgesprochen, ohne den Sohn vollständig in das Verfahren einzubinden. Die Rechtskraft dieses Adoptionsbeschlusses vom 20. Januar 2023 wurde insoweit aufgehoben und die Sache zur erneuten Entscheidung an das Amtsgericht zurückverwiesen.

Redaktionelle Leitsätze

  1. Der verfassungsrechtliche Anspruch auf rechtliches Gehör aus Art. 103 Abs….

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