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Zurückweisung der Berufung: BU-Nachzahlung trotz altem Urteil möglich

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Monatelang keine BU-Rente, die Klage abgewiesen – dann reichte er die fehlenden Unterlagen nach. Die Versicherung pocht auf das rechtskräftige Urteil und verweigert die Nachzahlung für die gesamte Zeit. Ein einziges unscheinbares Wort im alten Urteil könnte jedoch den Anspruch neu aufleben lassen.
Zum vorliegenden Urteilstext springen: 4 U 61/25

Das Wichtigste im Überblick

Ein Versicherer muss Berufsunfähigkeitsrenten nachzahlen, sobald der Kunde seine zuvor verletzte Mitwirkungspflicht endlich erfüllt.
  • Das Gericht weist die Berufung der Versicherung gegen die Nachzahlungspflicht einstimmig zurück.
  • Frühere Urteile standen dem Anspruch nicht entgegen, da sie keine endgültige Abweisung enthielten.
  • Nach erfüllter Auskunftspflicht leben Zahlungsansprüche bei nachgewiesener Berufsunfähigkeit rückwirkend wieder auf.
  • Ein Versicherer darf Zahlungen nicht dauerhaft verweigern, wenn Leistungen gesetzlich nur aufgeschoben sind.
  • Versicherungen müssen ihre Bedingungen anpassen, um sich besser gegen späte Mitwirkung zu schützen.

  • Gericht: Oberlandesgericht Rostock
  • Datum: 06.08.2025
  • Aktenzeichen: 4 U 61/25
  • Verfahren: Beschluss zur Zurückweisung der Berufung
  • Rechtsbereiche: Versicherungsrecht
  • Streitwert: bis 110.000,00 €
  • Relevant für: Versicherte, Versicherungsunternehmen, Rechtsanwälte für Versicherungsrecht

Warum das OLG die Berufung der Versicherung zurückwies

Ein Zivilgericht kann ein Rechtsmittel nach § 522 Abs. 2 der Zivilprozessordnung (ZPO) ohne mündliche Verhandlung per Beschluss zurückweisen. Voraussetzung dafür ist, dass der Senat – also die zuständige Richtergruppe am Oberlandesgericht – einstimmig von der offensichtlichen Aussichtslosigkeit der Berufung überzeugt ist. Zudem darf die Rechtssache keine grundsätzliche Bedeutung haben. Weder die Fortbildung des Rechts noch die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung dürfen eine Entscheidung des Berufungsgerichts erfordern. Das bedeutet konkret: Der Fall darf keine ungeklärten Rechtsfragen aufwerfen, die über den Einzelfall hinaus für die Allgemeinheit oder die Einheitlichkeit der Urteile in Deutschland wichtig wären.

Diese strengen prozessualen Voraussetzungen wandte das Oberlandesgericht Rostock in einem Streit um einbehaltene Leistungen aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung an. Ein Versicherungsnehmer forderte von seinem Versicherer die Nachzahlung einbehaltener Beträge, nachdem er im Rahmen eines Nachprüfungsverfahrens seine Mitwirkungspflichten erfüllt hatte. In einem solchen Verfahren kontrolliert die Versicherung in regelmäßigen Abständen, ob die versicherte Person weiterhin berufsunfähig ist oder ob sich ihr Gesundheitszustand so weit verbessert hat, dass die Rentenzahlung eingestellt werden kann. Das Gericht stellte sich auf die Seite des Mannes und beabsichtigt mit einem Beschluss vom 06.08.2025 (Az. 4 U 61/25), die Berufung der Versicherungsgesellschaft gegen das vorangegangene Urteil des Landgerichts Stralsund (Az. 6 O 42/24) zurückzuweisen. Der Senat bewertet das Rechtsmittel als offensichtlich aussichtslos und stellt dem Unternehmen anheim, die Berufung zur Vermeidung weiterer Kosten zurückzunehmen. Den Streitwert für dieses Verfahren setzte das Gericht auf bis zu 110.000 Euro fest….


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