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Abtretung an einen Insolvenzverwalter: Wann der Forderungskauf unwirksam ist

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Vom Chefsessel direkt auf die Gläubigerbank: Der abberufene Insolvenzverwalter kauft eine fremde Forderung, um wieder vollen Zugriff auf die Verfahrensakten zu erhalten. Es stellt sich die brisante Frage, ob nachwirkende Treuepflichten dem Ex-Verwalter verbieten, seine Insider-Position für rein private Prozessvorteile am OLG Brandenburg zu nutzen.
Zum vorliegenden Urteilstext springen: 7 U 88/24

Das Wichtigste im Überblick

  • Gericht: OLG Brandenburg
  • Datum: 11.03.2026
  • Aktenzeichen: 7 U 88/24
  • Verfahren: Berufung (Vollstreckungsgegenklage)
  • Rechtsbereiche: Insolvenzrecht, Bürgerliches Recht
  • Relevant für: Insolvenzverwalter, ehemalige Insolvenzverwalter, Gläubiger

Ehemalige Insolvenzverwalter dürfen keine Forderungen kaufen, um persönliche Interessen gegen die Gläubiger durchzusetzen.
  • Abtretungen verstoßen gegen Treuepflichten, wenn sie die Gleichbehandlung aller Gläubiger gefährden.
  • Das Verbot greift, wenn der Erwerber seine früheren Erkenntnisse eigennützig gegen die Masse nutzt.
  • Der neue Verwalter kann die Gläubigerstellung des Vorgängers erfolgreich mit einer Klage anfechten.
  • Frühere Feststellungen in der Tabelle verhindern keine Einwände gegen eine spätere Forderungsübertragung.
  • Das Gericht berichtigt die Insolvenztabelle nach dem Urteil automatisch für alle Beteiligten.

Tabelleneinträge mit der Vollstreckungsgegenklage korrigieren

Die Eintragung einer Forderung in die Insolvenztabelle – das amtliche Verzeichnis aller angemeldeten Schulden – wirkt gemäß § 178 Abs. 3 InsO wie ein rechtskräftiges Urteil gegenüber dem amtierenden Verwalter und allen Gläubigern. Gegen diese weitreichende Wirkung sind Rechtsbehelfe analog zur Zivilprozessordnung zulässig, insbesondere die Vollstreckungsgegenklage nach § 767 ZPO. Das bedeutet konkret: Mit dieser Klage kann man die Vollstreckung aus einem Titel stoppen, wenn nachträglich Gründe gegen den Anspruch entstanden sind. Einwendungen gegen die eingetragene Gläubigerstellung müssen jedoch nach dem maßgeblichen Feststellungstermin entstanden sein, um eine gesetzliche Präklusion zu vermeiden. Das bedeutet konkret: Man ist mit seinen Argumenten dauerhaft ausgeschlossen, wenn man sie nicht zum richtigen Zeitpunkt im Verfahren vorgebracht hat.
Die Eintragung in die Tabelle wirkt für die festgestellte Forderung ihrem Betrag und ihrem Rang nach wie ein rechtskräftiges Urteil gegenüber dem Insolvenzverwalter und allen Insolvenzgläubigern (§ 178 Abs. 3 InsO). Dem Insolvenzverwalter stehen deshalb gegen die Eintragung diejenigen Rechtsbehelfe zu, die gegen ein rechtskräftiges Urteil gegeben wären. – so das OLG Brandenburg
Prüfen Sie umgehend, ob Einwendungen gegen die Gläubigerstellung eines Dritten bereits vor dem ursprünglichen Feststellungstermin bestanden. Ist dies der Fall, müssen Sie diese zwingend im Termin vorbringen. Entstehen Gründe für eine Unwirksamkeit (wie eine zweifelhafte Abtretung) erst Jahre später, können Sie diese zwar noch mittels Klage geltend machen, müssen aber den genauen Zeitpunkt des Entstehens lückenlos belegen, um die Präklusion zu verhindern….

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