Viele Arbeitnehmer riskieren ihre Lohnfortzahlung (Entgeltfortzahlung) bei einer Fortsetzungserkrankung, wenn der Chef das Gehalt mit Verweis auf Vorerkrankungen einfach streicht. Doch wer die gesetzlichen Fristen und die rechtlichen Beweisanforderungen der Einheit des Verhinderungsfalls kennt, sichert sich seinen Gehaltsanspruch und vermeidet erhebliche Fehler.
Fortsetzungserkrankung & Gehalt: Das Wichtigste in Kürze
- Ein neuer Anspruch auf 6 Wochen Lohn entsteht erst, wenn Sie 6 Monate lang nicht wegen derselben Krankheit fehlten (§ 3 Abs. 1 EFZG).
- Bei nahtlos aufeinanderfolgenden Diagnosen greift die Einheit des Verhinderungsfalls, wodurch kein neuer Zahlungszeitraum ausgelöst wird.
- Dokumentieren Sie Ihre vollständige Genesung zwischen zwei Krankschreibungen (z.B. am Wochenende) präzise durch Zeugen oder Aktivitäten.
- Nach 6 Wochen zahlt die Kasse Krankengeld (ca. 70 % Brutto), sofern der Arbeitgeber die Entgeltbescheinigung (EEL) elektronisch übermittelt.
- Mahnen Sie ausstehendes Gehalt umgehend schriftlich an, um den Verfall durch kurze vertragliche Ausschlussfristen zu vermeiden.
- Vor dem Arbeitsgericht tragen Sie die volle Beweislast für die Genesung und müssen Ärzte ggf. von der Schweigepflicht entbinden.
- Aufgrund des Kostenselbsttragungsgrundsatzes nach § 12a ArbGG trägt jede Partei ihre Anwaltskosten in der 1. Instanz selbst.
Warum bleibt das Gehalt bei wiederholter Krankschreibung aus?
Sie sind erneut krankgeschrieben, doch die gewohnte Lohnfortzahlung bleibt aus. Der Arbeitgeber behauptet, es sei immer noch dieselbe Sache und verweist Sie an die Krankenkasse. Ein abrupter Lohnstopp ist eine erhebliche Belastung – nicht zuletzt, weil das Krankengeld meist deutlich niedriger ausfällt als Ihr gewohntes Gehalt.
Dass Personalabteilungen überschneidende Ausfallzeiten heute nahezu in Echtzeit erkennen und Zahlungen sofort blockieren können, liegt an der weitreichenden Digitalisierung der Meldewege.
Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) hat die betriebliche Kontrolle verstärkt. Personalabteilungen erkennen durch einen automatisierten Abruf nach § 109 SGB IV heute zuverlässig, wenn sich Krankschreibungen überschneiden.
Zudem kann der Arbeitgeber bei der Krankenkasse elektronisch abfragen, ob eine Anrechnung wegen Vorerkrankungen rechtmäßig ist. Dadurch stoppt der Arbeitgeber Ihr Gehalt oft sofort. Dieser Leitfaden erklärt Ihnen, wann Sie dennoch ein Recht auf Ihr volles Gehalt nach § 3 EFZG haben. Wenn Sie den Unterschied zwischen Erst- und Folgebescheinigung kennen, können Sie Beweisprobleme bei einer Fortsetzungserkrankung vermeiden.
Wann beginnt der Anspruch auf 6 Wochen Lohnfortzahlung neu?
Der gesetzliche Grundanspruch sichert sechs Wochen Entgeltfortzahlung pro Krankheitsfall. Überschreitet die Arbeitsunfähigkeit diesen Zeitraum, springt die gesetzliche Krankenkasse ein. Das Entgeltfortzahlungsgesetz schützt das Unternehmen davor, für ein chronisches Leiden endlos das wirtschaftliche Risiko zu tragen. Dennoch springt der Zähler unter bestimmten gesetzlichen Fristen wieder auf null.
Wann gilt eine Krankheit rechtlich als dieselbe Erkrankung?…