Viele Besitzer hochwertiger Fahrzeuge bangen um den vollen Versicherungsschutz beim Keyless-Go-Diebstahl, da Versicherungen bei spurenlosen Relay-Attacken oft die Leistung verweigern (Leistungsfreiheit des Versicherers, also das Recht der Versicherung, bei schwerwiegenden Vertragsverstößen die Zahlung komplett zu verweigern).
Erfahren Sie, warum das bloße Ablegen des Schlüssels im Hausflur keine grobe Fahrlässigkeit darstellt und mit welcher Strategie Sie Ihre Entschädigung trotz fehlender Einbruchspuren rechtssicher durchsetzen.
Kaskoschutz bei Keyless-Diebstahl: Das Wichtigste in Kürze
- Das Ablegen des Schlüssels im Hausflur gilt als sozialadäquat und rechtfertigt keine Leistungskürzung nach § 81 VVG wegen grober Fahrlässigkeit.
- Für die Entschädigung genügt der Nachweis des „äußeren Bildes“ (§ 286 ZPO) – Sie müssen lediglich das Abstellen und Verschwinden des PKW glaubhaft machen.
- Legen Sie der Versicherung zwingend sämtliche Originalschlüssel vor; Abweichungen zum elektronischen Fehlerspeicher führen oft zu unberechtigten Betrugsvorwürfen.
- Prüfen Sie bei Leasingverträgen das Vorhandensein einer GAP-Deckung, um die drohende Finanzierungslücke zwischen Zeitwert und Restforderung zu schließen.
- Senden Sie Schadensunterlagen stets gebündelt und nachweisbar ein, da die vertragliche 30-Tage-Auszahlungssperre erst bei Vollständigkeit der Akte anläuft.
- Erstatten Sie bei Entdeckung des Diebstahls unverzüglich Strafanzeige, um den Versicherungsschutz nicht durch eine Obliegenheitsverletzung vollständig zu gefährden.
Warum verweigern Versicherungen bei spurlosen Diebstählen oft die Zahlung?
Ein 45-jähriger Lexus-Besitzer aus Berlin erlebt morgens einen Schock. Er tritt aus der Haustür und blickt auf eine leere Einfahrt. Der teure Geländewagen ist verschwunden, doch der originale Autoschlüssel liegt völlig unberührt auf dem Sideboard im Hausflur.
Weder finden sich Glassplitter auf dem Pflaster, noch gibt es sonstige Aufbruchspuren. Der Mann wird Opfer einer sogenannten Relay-Attacke – also einer gezielten Funkstreckenverlängerung durch Kriminelle. Für die zuständige Autoversicherung wirkt diese absolute Spurlosigkeit oft verdächtig, was in der Praxis schnell dazu führt, dass Sie massiv um Ihre Entschädigung aus der Kaskoversicherung streiten müssen.
Die nackten Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft verdeutlichen die Dimension des Problems. Im Jahr 2024 registrierten die Behörden über 14.162 Diebstähle von kaskoversicherten Fahrzeugen. Demnach müssen täglich fast 40 Fahrzeughalter den plötzlichen Verlust ihres Autos melden.
Obwohl die Gesamtzahl der Entwendungen minimal rückläufig ist, schießt der finanzielle Schaden in die Höhe. Die Versicherer verzeichnen einen durchschnittlichen Schaden von 20.700 Euro pro Fahrzeug. Bei Luxusmodellen wie einem Porsche 911 oder hochgerüsteten SUVs klettert die Schadenssumme regelmäßig auf über 100.000 Euro.
Besonders kritisch ist die Lage in großen Metropolen. Berlin führt die unrühmliche Statistik als absoluter Hotspot an, denn dort verschwinden jährlich 3.855 Fahrzeuge….