Zum vorliegenden Urteilstext springen: 6 O 56/24
Das Wichtigste im Überblick
- Gericht: Landgericht Ellwangen (Jagst)
- Datum: 08.01.2026
- Aktenzeichen: 6 O 56/24
- Verfahren: Klage auf Schmerzensgeld und Unterhalt
- Rechtsbereiche: Schadensersatzrecht
- Relevant für: Hinterbliebene von Gewaltopfern, Angehörige bei Tötungsdelikten
Ein verurteilter Mörder zahlt Hinterbliebenengeld sowie Unterhalt an die Familie seines Opfers.
- Der Beklagte tötete den Ehemann und Vater der Klägerinnen durch einen Mord.
- Angehörige leiden schwer unter dem gewaltsamen Tod eines nahen Familienmitglieds.
- Der Mörder zahlt hohe Summen Schmerzensgeld sowie eine lebenslange monatliche Rente.
- Das Gericht ordnet die Zahlungen nach dem Alter und der Bindung der Kinder.
- Das Gericht stellte die Pflicht zur Zahlung aller zukünftigen monatlichen Renten fest.
Anspruch auf Hinterbliebenengeld nach Tötung des Versorgers
Hinterbliebene wie Ehepartner und Kinder können nach der Tötung eines Angehörigen juristische Ansprüche geltend machen. Die Rechtsgrundlage für derartige Forderungen findet sich in § 844 aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch. Voraussetzung für den Erfolg ist der Verlust eines gesetzlich Unterhaltspflichtigen durch ein Tötungsdelikt. Stellen Sie deshalb frühzeitig alle Dokumente zusammen, die diese gesetzliche Unterhaltspflicht belegen – dazu zählen Heiratsurkunden, Geburtsurkunden der Kinder oder bestehende Unterhaltsbeschlüsse. Ohne diese formellen Nachweise drohen Ihre finanziellen Forderungen auf Unterhaltsrente vor Gericht abgewiesen zu werden.
Genau diese Frage musste das Landgericht Ellwangen klären.
Im September 2018 forderte eine Witwe gemeinsam mit ihren vier Töchtern eine finanzielle Entschädigung von dem Mann, der ihren Ehemann und Vater ermordet hatte. Zum Tatzeitpunkt waren die jüngsten Kinder der Familie erst elf Monate alt. Die zivilrechtliche Klage war weitgehend erfolgreich, sodass das Gericht der Familie hohe Entschädigungssummen sowie eine Rente zusprach und die Forderungen lediglich im Übrigen abwies. Der Täter war für den Mord bereits in einem vorangegangenen Strafprozess rechtskräftig verurteilt worden. Hierbei ist rechtlich wichtig zu verstehen: Im Strafprozess bestraft der Staat den Täter lediglich mit einer Gefängnis- oder Geldstrafe. Um als Angehöriger jedoch finanzielle Zahlungen vom Täter zu erzwingen, muss fast immer ein separater Zivilprozess geführt werden. Die beiden älteren Schwestern zählten zum Zeitpunkt des Verbrechens acht und fünfzehn Jahre.
Warum erhalten Säuglinge weniger Hinterbliebenengeld als Schulkinder?
Die konkrete Höhe eines Hinterbliebenengeldes wird als immaterieller Schadenersatz individuell vom zuständigen Gericht bemessen….