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Regress nach einer Unfallflucht: Wann Versicherte nicht zahlen müssen

Ganzen Artikel lesen auf: Versicherungsrechtsiegen.de
Ein Knall beim Rangieren, das Wohnmobil fährt einfach weiter, während Kameras jede Sekunde der Flucht lückenlos aufzeichnen und den Vorfall dokumentieren. Nun fordert der Versicherer vor dem Amtsgericht Zeitz die gesamte Schadenssumme zurück, obwohl die Videoaufnahmen den Vorfall bereits lückenlos dokumentierten.
Zum vorliegenden Urteilstext springen: 4 C 286/23

Das Wichtigste im Überblick

  • Gericht: Amtsgericht Zeitz
  • Datum: 25.07.2024
  • Aktenzeichen: 4 C 286/23
  • Verfahren: Klage auf Schadenersatz-Rückzahlung
  • Rechtsbereiche: Versicherungsrecht, Verkehrsrecht
  • Relevant für: Kfz-Versicherer, Autofahrer nach Bagatellschäden an Tankstellen

Ein Autofahrer verweigert seiner Versicherung den Regress, wenn Videoaufnahmen den Unfallhergang lückenlos beweisen.
  • Das Gericht wies die Klage der Versicherung auf Rückzahlung der Schadenssumme ab.
  • Videoaufnahmen der Tankstelle identifizierten das Fahrzeug und den Fahrer bereits am Folgetag.
  • Die Versicherung erlitt durch das unerlaubte Entfernen keine Nachteile bei der Schadensprüfung.
  • Es gab keine Hinweise auf Alkohol oder Drogen beim Fahrer zum Unfallzeitpunkt.
  • Das bloße Verlassen des Unfallorts beweist noch keine arglistige Täuschung der Versicherung.

Wann droht der Regress nach einer Unfallflucht?

Gemäß § 28 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) in Verbindung mit den Allgemeinen Kraftfahrtbedingungen (E.1.1.3 AKB) stellt das unerlaubte Entfernen von einem Unfallort eine schwerwiegende Verletzung der vertraglichen Aufklärungspflicht dar. Versicherungsgesellschaften können bei einer solchen sogenannten Obliegenheitsverletzung vom Versicherungsnehmer die erbrachte Schadensleistung zurückfordern. In der Kraftfahrt-Haftpflichtversicherung ist dieser Rückzahlungsanspruch in den meisten Fällen auf einen Höchstbetrag von 5.000 Euro begrenzt.

Genau diese Frage musste das Amtsgericht Zeitz klären.

Ein Kfz-Haftpflichtversicherer forderte von seinem Kunden eine regulierte Schadenssumme in Höhe von exakt 650,00 Euro zurück (Amtsgericht Zeitz, Urteil vom 25.07.2024, Az. 4 C 286/23). Der Vorfall ereignete sich am 9. Juni 2021 gegen 16:15 Uhr an einer Tankstelle. Der Fahrer eines Wohnmobils touchierte beim Rückwärtsfahren nach dem Tankvorgang einen fest montierten Staubsaugerautomaten mit seinem Anhänger. Anschließend verließ der Mann das Tankstellengelände, ohne seine Personalien zu hinterlassen oder den Schaden ordnungsgemäß zu melden.

Die Assekuranz beglich die Rechnung für die Reparatur des Automaten gegenüber dem Tankstellenbetreiber anstandslos. Wenig später verlangte das Unternehmen das Geld jedoch inklusive Verzugszinsen von seinem Versicherten zurück, da dieser nach Ansicht der Sachbearbeiter seine vertraglichen Pflichten verletzt habe. Durch die Flucht vom Unfallort sei dem Versicherer die Möglichkeit genommen worden, den Vorfall direkt vor Ort objektiv zu prüfen.

Wie gelingt der Kausalitätsgegenbeweis nach § 28 VVG?

Nach § 28 Abs. 3 Satz 1 VVG bleibt der Versicherungsschutz für den Kunden bestehen, wenn die Pflichtverletzung weder für den Eintritt des Versicherungsfalls noch für die genaue Feststellung des Schadens ursächlich war….


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