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Verfolgungsverjährung bei einer Ordnungswidrigkeit: Wann die Frist abläuft

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Ein Tempoverstoß, 500 Euro Bußgeld, der Termin im Gericht. Plötzlich wird die Verhandlung abgesetzt, weil der Richter den Fall lieber im Stillen nach Aktenlage entscheiden will. Doch ohne den förmlichen Hinweis auf diesen Wechsel tickt die Uhr der Verjährung unaufhaltsam weiter, als wäre überhaupt nichts geschehen.
Zum vorliegenden Urteilstext springen: 1 ORbs 230/24

Das Wichtigste im Überblick

  • Gericht: Oberlandesgericht Sachsen-Anhalt
  • Datum: 11.11.2024
  • Aktenzeichen: 1 ORbs 230/24
  • Verfahren: Rechtsbeschwerdeverfahren
  • Rechtsbereiche: Ordnungswidrigkeitenrecht
  • Relevant für: Autofahrer, Verteidiger in Bußgeldverfahren, Gerichte

Gerichte müssen Bußgeldverfahren beenden, wenn die Verjährungsfrist trotz abgesagter Gerichtstermine bereits abgelaufen ist.
  • Eine Richterin sagte den Verhandlungstermin auf Wunsch des Verteidigers kurzfristig ab.
  • Diese bloße Terminabsage stoppt die laufende Frist zur Verjährung nicht.
  • Das Gericht gab zudem keinen schriftlichen Hinweis für eine neue Frist.
  • Die Tat verjährte deshalb Monate vor der eigentlichen Entscheidung des Amtsgerichts.
  • Das Oberlandesgericht hob das Urteil auf und stellte das gesamte Verfahren ein.

Was stoppt die Verfolgungsverjährung bei einer Ordnungswidrigkeit?

Ein Autofahrer sah sich im Frühjahr 2023 mit dem Vorwurf einer Verkehrsordnungswidrigkeit konfrontiert. Die eigentliche Tat fand am 14. März 2023 statt. Was zunächst wie ein alltägliches Bußgeldverfahren aussah, entwickelte sich zu einem juristischen Lehrstück über strikte Fristen und prozessuale Fallstricke. Das Oberlandesgericht Sachsen-Anhalt musste am 11. November 2024 unter dem Aktenzeichen 1 ORbs 230/24 klären, ob eine simple richterliche Terminabsage die tickende Uhr stoppte oder ob der Staat sein Recht auf eine Bestrafung schlichtweg verwirkt hatte.

Im Zentrum des juristischen Konflikts stand das Amtsgericht Stendal, das den Vorfall ursprünglich verhandeln sollte. Ein Gerichtstermin war für den 11. März 2024 angesetzt. Doch wenige Tage vor der Verhandlung schlug der Verteidiger des beschuldigten Mannes einen anderen Weg vor. Dieser scheinbar harmlose verfahrenstaktische Schritt löste eine unvorhergesehene Kettenreaktion aus, die Monate später den gesamten Prozess zu Fall bringen sollte.

Wie funktioniert die Unterbrechung der Verfolgungsverjährung?

Der Staat hat nicht ewig Zeit, um ein Fehlverhalten im Straßenverkehr zu ahnden. Gemäß Paragraf 31 des Ordnungswidrigkeitengesetzes (OWiG) unterliegen solche Taten strengen zeitlichen Grenzen. Der Gesetzgeber hat dieses Konzept der Verjährung erschaffen, um den Rechtsfrieden zu wahren. Läuft die festgesetzte Frist ab, löscht die Tat juristisch aus und darf unter keinen Umständen mehr verfolgt werden. Das Gesetz erlaubt es den Behörden jedoch, diesen Countdown durch bestimmte Handlungen wieder auf null zu setzen.

Diese Rücksetzung nennt der Jurist eine Unterbrechung. Paragraf 33 des OWiG listet haargenau auf, welche behördlichen Schritte einen solchen Neustart der Frist auslösen. Nur ganz bestimmte offizielle Handlungen führen zu einer legalen Verjährungsunterbrechung:

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