Zum vorliegenden Urteilstext springen: 6 OWi 51 Js 21212/25
Das Wichtigste im Überblick
- Gericht: Amtsgericht Singen
- Datum: 13.10.2025
- Aktenzeichen: 6 OWi 51 Js 21212/25
- Verfahren: Bußgeldverfahren
- Rechtsbereiche: Verkehrsrecht
- Relevant für: Taxifahrer, Autofahrer in Bedrohungssituationen
Taxifahrer vermeiden bei Bedrohung durch Fahrgäste ein Fahrverbot trotz deutlicher Geschwindigkeitsüberschreitung.
- Eine Taxifahrerin floh vor aggressiven Fahrgästen aus Angst um ihre persönliche Sicherheit.
- Das Gericht streicht das Fahrverbot wegen der glaubhaften Bedrohung im Taxi.
- Die Frau zahlt stattdessen mit 520 Euro die doppelte Geldstrafe.
- Die gemessene Geschwindigkeit lag nur einen Stundenkilometer über der kritischen Grenze zum Fahrverbot.
- Frühere Verkehrsverstöße änderten nichts an der milden Entscheidung des Gerichts.
Wann entfällt ein Fahrverbot wegen einer Notlage?
Eine nächtliche Schicht am Steuer eines Taxis kann unvorhersehbare Gefahren bergen. Genau diese Erfahrung machte eine Berufskraftfahrerin, als sie in der Nähe einer Diskothek zwei junge Männer als Fahrgäste aufnahm. Die beiden Männer standen massiv unter dem Einfluss von Alkohol und illegalen Drogen. Was als routinemäßige Fahrt begann, eskalierte schnell zu einer ernsten Bedrohung für die Frau am Steuer.
Einer der alkoholisierten Fahrgäste begann, die Fahrerin verbal zu belästigen. Die Situation wurde zunehmend aufdringlicher und aggressiver, sodass die Frau in der Enge des Fahrzeugs berechtigte Angst um ihre eigene Unversehrtheit bekam. In dieser beklemmenden Ausnahmesituation traf sie eine folgenschwere Entscheidung: Sie drückte das Gaspedal durch, um die Fahrt so schnell wie möglich zu beenden und die Männer zum Aussteigen zu bewegen. Dabei achtete sie nicht mehr auf die Geschwindigkeitsanzeige ihres Wagens.
In einer innerstädtischen Straße mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde löste die Kamera einer polizeilichen Messstation aus. Die Behörden stellten nach dem obligatorischen Toleranzabzug eine gefahrene Geschwindigkeit von 61 Kilometern pro Stunde fest. Diese Überschreitung um exakt 31 Stundenkilometer zieht nach den strengen Regeln des deutschen Straßenverkehrsrechts normalerweise drastische Konsequenzen nach sich. Der Fall landete schließlich vor dem Amtsgericht Singen (Urteil vom 13.10.2025, Aktenzeichen: 6 OWi 51 Js 21212/25), wo ein Richter über die berufliche Existenz der Frau entscheiden musste.
Wie regelt das Gesetz eine massive Geschwindigkeitsüberschreitung?
Wer mit dem Auto in einer geschlossenen Ortschaft mehr als 30 Kilometer pro Stunde zu schnell unterwegs ist, begeht keinen kleinen Fehler mehr. Das Gesetz wertet ein solches Verhalten als erhebliche Gefährdung der allgemeinen Verkehrssicherheit….