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Haftung beim Rückwärtsfahren aus einem Grundstück: Wer trägt die Kosten?

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Die Haftung beim Rückwärtsfahren aus einem Grundstück beschäftigte das Oberlandesgericht Hamm über zwei Instanzen, nachdem ein Autofahrer einen Transporter rammte und 3.800 Euro Schaden verursachte. Zwar leuchteten die Rückfahrscheinwerfer des Gegners beim Aufprall hell auf – ob dieser bloße Anscheinsbeweis gegen den Rückwärtsfahrenden für die alleinige Schuld ausreicht, blieb fraglich.


Zum vorliegenden Urteilstext springen: 7 U 94/24

Das Wichtigste im Überblick

  • Gericht: Oberlandesgericht Hamm
  • Datum: 04.08.2025
  • Aktenzeichen: 7 U 94/24
  • Verfahren: Hinweisbeschluss zur Berufung
  • Rechtsbereiche: Verkehrsrecht, Haftungsrecht
  • Relevant für: Autofahrer, Fahrzeughalter, Haftpflichtversicherungen

Rückwärts aus einem Grundstück fahrende Autofahrer haften meist überwiegend für Zusammenstöße mit anderen Fahrzeugen.

  • Rückwärtsfahrende müssen beim Ausfahren aus Grundstücken jegliche Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer sicher ausschließen.
  • Gegen den Unfallgegner spricht nur ein Anscheinsbeweis, wenn seine Rückwärtsbewegung zum Kollisionszeitpunkt feststeht.
  • Leuchtende Rückfahrscheinwerfer beweisen allein keine aktive Rückwärtsbewegung während des Zusammenstoßes.
  • Der Senat bestätigte die überwiegende Haftung des ausparkenden Autofahrers von 75 Prozent.

Wer haftet beim Rückwärtsfahren aus einer Grundstücksausfahrt?

Es ist ein klassisches Szenario im deutschen Straßenverkehr, das täglich tausendfach vorkommt und oft mit einem lauten Knall endet: Ein Autofahrer möchte von einem privaten Parkplatz oder einer Grundstücksausfahrt rückwärts auf die Straße fahren. Gleichzeitig befindet sich dort ein anderes Fahrzeug. Wenn es kracht, stellt sich sofort die Frage nach der Schuld. Gilt automatisch „rechts vor links“? Hat der fließende Verkehr immer Vorrang? Oder trägt derjenige eine Mitschuld, der vielleicht ungünstig stand?

Das Oberlandesgericht Hamm musste sich in einem aktuellen Fall mit genau dieser Konstellation befassen. Ein Autofahrer setzte von einem Firmengelände zurück und kollidierte mit einem Transporter auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Der Streit entzündete sich an der Frage, ob der Transporter stand oder ebenfalls rückwärts fuhr. Das Gericht fällte am 4. August 2025 unter dem Aktenzeichen 7 U 94/24 eine Entscheidung, die tief in die Beweislastregeln und die Haftung beim Rückwärtsfahren aus einem Grundstück blickt. Für Autofahrer ist das Urteil eine wichtige Mahnung, beim Verlassen von Grundstücken höchste Vorsicht walten zu lassen.

Welche Verkehrsregeln gelten beim Einfahren in den fließenden Verkehr?

Um das Urteil zu verstehen, muss man zunächst die strengen Regeln der Straßenverkehrsordnung (StVO) betrachten. Der Gesetzgeber hat für das Einfahren von einem Grundstück auf die Straße eine klare Hierarchie festgelegt. Nach § 10 Satz 1 StVO muss sich jeder, der aus einem Grundstück, aus einer Fußgängerzone oder von anderen Straßenteilen auf die Fahrbahn einfahren will, so verhalten, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist. Das Gesetz verlangt hier also mehr als nur die übliche Vorsicht; es verlangt den Ausschluss jeder Gefährdung.

Dies führt in der juristischen Praxis zu einer klaren Risikoverteilung….


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