Die Akteneinsicht für den Verletzten forderte ein Kind am Landgericht Potsdam nach jahrelanger Verschleierung von Einkommen durch den unterhaltspflichtigen Vater in den Ermittlungsakten. Während der Zugang zur Hauptakte greifbar schien, blieb die Offenlegung privater Bankverbindungen aus einem versiegelten Sonderband bis zuletzt höchst umstritten.
Zum vorliegenden Urteilstext springen: 23 Qs 25/25
Das Wichtigste im Überblick
- Gericht: Landgericht Potsdam
- Datum: 07.11.2025
- Aktenzeichen: 23 Qs 25/25
- Verfahren: Beschwerde gegen die Ablehnung einer Akteneinsicht
- Rechtsbereiche: Strafprozessrecht
Ein Kind darf die Strafakte gegen seinen Vater wegen unbezahlten Unterhalts einsehen, aber keine privaten Bankdaten.
- Das Kind hat als Opfer ein Recht auf wichtige Informationen aus der Akte.
- Die Akteneinsicht bereitet die spätere Forderung von Unterhalt vor dem Zivilgericht vor.
- Das Opfer darf nach langer Wartezeit die Arbeit der Behörden kontrollieren.
- Das Gericht schützt private Bankdaten des Vaters und Dritter vor fremden Blicken.
Wer darf bei Unterhaltsstreitigkeiten in die Ermittlungsakte schauen?
Ein ungelöster Konflikt um den Kindesunterhalt führt oft nicht nur vor das Familiengericht, sondern auch zur Strafanzeige. Wenn ein Elternteil den Verdacht hegt, der andere würde sein Einkommen verschleiern, um sich vor Zahlungen zu drücken, steht schnell der Vorwurf einer Straftat im Raum. Doch darf der geschädigte Elternteil oder das betroffene Kind dann einfach die Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft lesen, um Beweise zu sammeln? Diese Frage musste das Landgericht Potsdam in einem aktuellen Beschluss vom 7. November 2025 (Az. 23 Qs 25/25) klären. Im Zentrum des Streits standen ein minderjähriger Sohn und sein Vater. Dem Vater wurde eine Verletzung der Unterhaltspflicht vorgeworfen. Die Mutter, die den Sohn gesetzlich vertrat, wollte über einen Antrag auf die Akteneinsicht genau wissen, was die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergeben hatten. Besonders interessierten sie die Bankdaten des Vaters, um mögliche Vermögensverschleierungen aufzudecken. Die Situation war verfahren. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelte bereits seit August 2023. Während dieser langen Verfahrensdauer wuchsen bei der Mutter die Zweifel, ob die Ermittlungen mit dem nötigen Nachdruck geführt würden. Sie stellte mehrfach Anträge, um Einsicht in die Akten zu erhalten. Sowohl das Amtsgericht Potsdam als auch die Staatsanwaltschaft lehnten dies jedoch ab. Die Begründung: Der Schutz der sensiblen Daten des Vaters gehe vor, und Unterhaltsfragen gehörten vor das Familiengericht, nicht in den Strafprozess. Das Landgericht Potsdam musste nun im Beschwerdeverfahren entscheiden, ob das Recht auf die informationelle Selbstbestimmung des Vaters oder das Informationsinteresse des Sohnes schwerer wiegt.
Welche Gesetze regeln die Akteneinsicht für Opfer?
Der deutsche Strafprozess ist primär eine Auseinandersetzung zwischen dem Staat und dem Beschuldigten. Das Opfer – im juristischen Sprachgebrauch der „Verletzte“ – hat jedoch im Laufe der Jahre mehr Rechte erhalten. Eine zentrale Norm ist hierbei § 406e der Strafprozessordnung (StPO). Dieser Paragraph regelt die Akteneinsicht für den Verletzten….