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Restwert-Ermittlung nach einem Unfall: Wann der Verkauf des Fahrzeugs zulässig ist

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Nach der Restwert-Ermittlung nach einem Unfall verkaufte ein VW-Golf-R-Fahrer sein zertrümmertes Wrack für 12.000 Euro allein auf Basis einer mündlichen Gutachteraussage. Kurze Zeit später legte die Haftpflichtversicherung ein fast doppelt so hohes Restwertangebot vor und verweigerte die Übernahme der restlichen Kosten. Den vorliegenden Urteilstext lesen: Urteil Az.: 04 O 56/22

Das Wichtigste in Kürze

  • Gericht: Landgericht Detmold
  • Datum: 29.08.2022
  • Aktenzeichen: 04 O 56/22
  • Verfahren: Zivilprozess um Schadensersatz
  • Rechtsbereiche: Verkehrsrecht, Schadensersatzrecht

Versicherung muss vollen Schaden zahlen bei Verkauf zum Restwert aus dem Gutachten.

  • Unfallopfer dürfen ihr Auto nach einer mündlichen Vorab-Information zum Restwert verkaufen
  • Geschädigte müssen nicht auf bessere Angebote der gegnerischen Versicherung warten
  • Drei regionale Angebote im Gutachten bilden eine ausreichende Basis für den Verkauf
  • Arztkosten und Impfungen nach dem Unfall muss die Versicherung voll erstatten
  • Für leichte Schürfwunden und Prellungen steht dem Opfer ein Schmerzensgeld zu

Wie funktioniert die Restwert-Ermittlung nach einem Unfall?

Es ist der Albtraum eines jeden Autofahrers: Ein unverschuldeter Unfall verwandelt den geliebten Wagen in einen wirtschaftlichen Totalschaden. Genau dieses Szenario ereignete sich am frühen Morgen des 2. Dezember 2021 auf einer öffentlichen Straße. Ein VW Golf R, gesteuert von seinem Eigentümer, kollidierte gegen 06:54 Uhr frontal mit einem entgegenkommenden BMW. Der Fahrer des BMW hatte die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren, was zur unstreitigen alleinigen Haftung seinerseits führte. Die Folgen für den Golf waren verheerend: Der gesamte vordere linke Achskörper wurde nach hinten verschoben, die A-Säule massiv deformiert. Für den Eigentümer des VW Golf begann damit nicht nur die körperliche Genesung, sondern auch ein juristischer Kampf gegen die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers. Im Kern des Streits stand eine Summe von fast 9.000 Euro Differenz bei der Bewertung des Autowracks – ein klassisches Beispiel für das sogenannte Restwertrisiko. Das Landgericht Detmold musste in seinem Urteil vom 29.08.2022 (Az. 04 O 56/22) entscheiden, ob der geschädigte Autofahrer sein Wrack zu dem vom Gutachter ermittelten Preis verkaufen durfte oder ob er das deutlich höhere Aufkaufangebot der gegnerischen Versicherung hätte abwarten müssen. Dieser Fall illustriert exemplarisch, welche Rechte Unfallopfer bei der Schadensabwicklung haben und wo die Fallstricke lauern.

Welche rechtlichen Grundlagen gelten für den Wiederbeschaffungsaufwand bei einem Totalschaden?

Um den Konflikt zu verstehen, muss man die Mechanik des Schadensersatzes im deutschen Recht betrachten. Nach einem Totalschaden hat der Geschädigte Anspruch auf den sogenannten Wiederbeschaffungsaufwand. Dieser berechnet sich nach einer einfachen Formel: Wiederbeschaffungswert (Wert des Autos vor dem Unfall) minus Restwert (Wert des Wracks) = Zu zahlender Schadensersatz. Je höher der Restwert ist, desto weniger muss die Versicherung zahlen. Daher haben Versicherer ein massives wirtschaftliches Interesse daran, den Restwert so hoch wie möglich anzusetzen. Sie nutzen dafür spezialisierte Restwertbörsen, in denen professionelle Aufkäufer oft Preise bieten, die weit über dem liegen, was ein lokaler Gebrauchtwagenhändler zahlen würde….


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