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Auffahrunfall auf ein Fahrschulfahrzeug: Wer haftet beim Abwürgen?

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Ein Autofahrer verursachte einen Auffahrunfall auf ein Fahrschulfahrzeug, nachdem der Fahrschüler beim Anfahren an einer grünen Ampel abrupt den Motor abwürgte. Fraglich bleibt, ob der klassische Anscheinsbeweis gegen den Hintermann auch greift, wenn das weithin sichtbare gelbe Schild eigentlich zu besonderer Vorsicht mahnt. Den vorliegenden Urteilstext lesen: Urteil Az.: 1 C 32/23

Das Wichtigste in Kürze

  • Gericht: Amtsgericht Sigmaringen
  • Datum: 06.11.2023
  • Aktenzeichen: 1 C 32/23
  • Verfahren: Zivilprozess um Schadensersatz
  • Rechtsbereiche: Verkehrsrecht, Schadensersatzrecht

Hinterherfahrende müssen vollen Schaden zahlen, wenn sie auf ein abgewürgtes Fahrschulauto auffahren.

  • Bei Auffahrunfällen trägt der hintere Fahrer normalerweise die alleinige Schuld.
  • Das Schild Fahrschule mahnt andere Autofahrer zu einer besonders vorsichtigen Fahrweise.
  • Die Fahrerin bewies kein fehlerhaftes Verhalten des Fahrschülers nach dem Abwürgen.
  • Zeugen bestätigten das Stehen des Wagens vor dem eigentlichen Aufprall.
  • Die Versicherung muss restliche Reparaturkosten sowie Anwaltsgebühren in voller Höhe bezahlen.

Wer haftet bei einem Auffahrunfall auf ein Fahrschulfahrzeug?

Ein Zögern, ein Ruckeln, dann Stille: Wenn der Motor an einer Kreuzung plötzlich ausgeht, ist das für jeden Fahrschüler eine Stresssituation. Doch was passiert, wenn in genau diesem Moment der Hintermann nicht aufpasst und es kracht? Genau dieses Szenario verhandelte das Amtsgericht Sigmaringen am 06.11.2023 (Az. 1 C 32/23). Der Fall dreht sich um eine klassische Konstellation im Straßenverkehr, die jedoch durch den Status des vorausfahrenden Wagens als Fahrschulfahrzeug eine besondere rechtliche Brisanz erhält. Ein Fahrschulinhaber stritt mit einer Autofahrerin und deren Haftpflichtversicherung um den restlichen Schadensersatz nach einem Heckaufprall. Während die Versicherung den Schaden nur zu 75 Prozent regulieren wollte, bestand der Inhaber der Fahrschule auf der vollen Summe. Im Zentrum des Rechtsstreits stand die Frage, ob der Fehler des Fahrschülers – das Abwürgen des Motors – die alleinige Schuld des Auffahrenden relativiert oder ob hier der sogenannte Anscheinsbeweis greift.

Der Unfallhergang in Sigmaringen

Der Vorfall ereignete sich an einer Kreuzung mit Gefälle. Im Wagen der Fahrschule saßen der Fahrschüler am Steuer und der Fahrlehrer auf dem Beifahrersitz. Sie näherten sich einer Haltelinie, um nach rechts abzubiegen. Dabei unterlief dem Fahrschüler ein typischer Anfängerfehler: Statt in den ersten Gang zu schalten, wählte er versehentlich den dritten Gang. Die Folge war unvermeidlich – der Motor starb ab, das Fahrzeug ruckelte und kam schließlich an der Haltelinie zum Stehen. Hinter dem Fahrschulauto befand sich eine Autofahrerin. Sie bemerkte das Manöver zu spät und prallte auf das Heck des stehenden Wagens. Der Sachschaden war beträchtlich: Insgesamt 6.424,15 Euro netto kostete die Reparatur. Die gegnerische Versicherung zahlte zwar 4.818,12 Euro, behielt jedoch 25 Prozent des Betrages ein. Ihre Begründung: Der Fahrschüler habe eine Mitschuld, da der Verkehrsfluss durch das Abwürgen unnötig gestört worden sei. Der Fahrschulbetreiber wollte diesen Abzug von 1.606,03 Euro nicht akzeptieren und zog vor das Gericht….


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