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Schadensabrechnung nach einem Verkehrsunfall: Wenn Fotos die Zahlung blockieren

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Ein Pkw-Halter forderte für die Schadensabrechnung nach einem Verkehrsunfall auf der A9 konkrete Reparatur- und Mietwagenkosten von der gegnerischen Haftpflichtversicherung. Ein kleiner Urheberrechtsvermerk auf den Gutachterfotos stoppte plötzlich die gesamte Zahlung und blockierte die Einstellung der Fotos in eine Restwertbörse. Den vorliegenden Urteilstext lesen: Urteil Az.: 2 U 64/23

Das Wichtigste in Kürze

  • Gericht: Oberlandesgericht Naumburg
  • Datum: 30.08.2023
  • Aktenzeichen: 2 U 64/23
  • Verfahren: Berufung gegen Urteil zur Schadensregulierung
  • Rechtsbereiche: Verkehrsrecht, Schadensersatzrecht

Versicherung muss Reparaturkosten zahlen trotz Hinweis auf Urheberrecht an den Fotos im Gutachten.

  • Geschädigte dürfen Reparaturkosten anhand echter Rechnungen statt allein per Gutachten abrechnen.
  • Der Schutzvermerk auf Fotos verhindert die Prüfung der Schadenshöhe durch die Versicherung nicht.
  • Beteiligte Firmen dürfen Gutachten und Fotos zur Schadensabwicklung ohne Einschränkung nutzen.
  • Unfallopfer müssen der Versicherung keine Fotos für Veröffentlichungen im Internet zur Verfügung stellen.

Wer trägt die Kosten der Schadensabrechnung nach einem Verkehrsunfall?

Ein Reifenplatzer auf der Autobahn ist der Albtraum vieler Autofahrer. Doch was einem Pkw-Besitzer auf der A9 widerfuhr, entwickelte sich von einem klaren Unfallgeschehen zu einem bizarren juristischen Streit über Urheberrechte an Fotos. Am 25.01.2022 war der Mann mit seinem Fahrzeug in Richtung München unterwegs. Bei Coswig (Anhalt) geriet er in eine gefährliche Situation: An einer vorausfahrenden Sattelzugmaschine platzte hinten links ein Reifen. Schwere Gummiteile und die Radabdeckung lösten sich und blieben auf der Fahrbahn liegen. Der Autofahrer konnte nicht mehr ausweichen. Sein Wagen prallte gegen die Hindernisse und wurde erheblich beschädigt. Die Schuldfrage war eindeutig: Die Haftung lag zu 100 Prozent bei der Gegenseite. Die ausländische Haftpflichtversicherung des Lkw-Halters musste dem Grunde nach für den Schaden aufkommen. Doch was als Routinefall der Schadensregulierung begann, endete vor dem Oberlandesgericht Naumburg. Der Streit entzündete sich nicht am Unfallhergang, sondern an den Formalien der Abrechnung. Der geschädigte Autofahrer beauftragte eine Sachverständige mit der Begutachtung seines Fahrzeugs. Das erstellte Gutachten wies Reparaturkosten von rund 6.160 Euro brutto und eine Wertminderung von 400 Euro aus. Brisant war jedoch ein Detail auf Seite 7 des Dokuments: Ein Vermerk wies darauf hin, dass die beigefügten Lichtbilder urheberrechtlich geschützt seien und eine Nutzung nur mit Genehmigung zulässig sei. Die gegnerische Versicherung nutzte diesen Hinweis als Hebel, um die Zahlung zu verweigern. Sie argumentierte, ohne das Recht, die Fotos frei zu verwenden – insbesondere für das Einstellen in sogenannte Restwertbörsen im Internet –, könne sie die Schadenshöhe nicht prüfen. Die Forderung sei daher nicht fällig. Der geschädigte Pkw-Halter ließ sich dies nicht bieten, ließ den Wagen reparieren, mietete für die Dauer der Arbeiten ein Ersatzfahrzeug und klagte die Kosten ein.

Welche Rechtsgrundlagen gelten für die konkrete Abrechnung der Reparaturkosten?

Um den Streit zu verstehen, muss man die grundlegenden Mechanismen des Schadensersatzrechts im Verkehrsrecht betrachten. Das Gesetz gibt einem Unfallopfer verschiedene Wege an die Hand, seinen Schaden geltend zu machen….


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