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Sicherungshypothek für den Bauunternehmer: Forderungen auch ohne Abnahme sichern

Ganzen Artikel lesen auf: Baurechtsiegen.de

Eine Sicherungshypothek für den Bauunternehmer in Höhe von 337.000 Euro forderte eine Lüftungsfirma nach Arbeiten an zwei 100 Meter hohen Wohntürmen in Berlin. Die Eintragung einer Vormerkung ohne Abnahme sollte dabei erfolgen, obwohl spezielle Vertragsklauseln den Zugriff auf das Grundbuch an zusätzliche Hürden und Fristen knüpften. Den vorliegenden Urteilstext lesen: Urteil Az.: 19 O 101/23

Das Wichtigste in Kürze

  • Gericht: Landgericht Berlin
  • Datum: 06.07.2023
  • Aktenzeichen: 19 O 101/23
  • Verfahren: Einstweiliges Verfügungsverfahren
  • Rechtsbereiche: Baurecht, Werkvertragsrecht

Baufirma darf Sicherheit im Grundbuch eintragen lassen trotz vertraglicher Einschränkungen durch den Auftraggeber.

  • Auftraggeber zahlte offene Rechnungen für eingebaute Lüftungstechnik nach einem Baustopp nicht.
  • Vertragliche Klauseln dürfen das gesetzliche Recht auf Absicherung nicht unzulässig erschweren.
  • Das Gericht erklärt solche Klauseln für unwirksam bei unangemessener Benachteiligung der Baufirma.
  • Die Baufirma sichert ihren Lohnanspruch durch einen schnellen Eintrag im Grundbuch.

Wer schützt die Handwerker bei einem Zahlungsstopp?

Es ist der Albtraum eines jeden Bauunternehmers: Die Kräne drehen sich, das Material ist verbaut, die Mannschaft hat monatelang gearbeitet – doch plötzlich fließt kein Geld mehr. Genau dieses Szenario spielte sich auf einer Großbaustelle in Berlin-Friedrichshain ab. Es ging um ein prestigeträchtiges Projekt: die Errichtung zweier knapp 100 Meter hoher Wohntürme. Mitten in der Fertigstellungsphase stellte die Eigentümerin des Grundstücks die Zahlungen ein. Für die beteiligte Spezialfirma für Lüftungs- und Rauchschutzdruckanlagen stand viel auf dem Spiel. Sie hatte Leistungen im Wert von über 5 Millionen Euro erbracht. Doch als die Überweisungen ausblieben, musste das Unternehmen schnell handeln, um nicht auf offenen Forderungen in Höhe von rund 337.000 Euro sitzen zu bleiben. Der Fall landete vor dem Landgericht Berlin und lieferte eine wegweisende Entscheidung darüber, wie weit Bauherren die Sicherungsrechte ihrer Auftragnehmer vertraglich beschneiden dürfen.

Das Szenario: Ein Großprojekt gerät ins Stocken

Die Ausgangslage war klassisch für die moderne Baubranche. Im April 2020 schlossen eine Berliner Immobilienfirma als Auftraggeberin und das spezialisierte Bauunternehmen einen Werkvertrag. Das Volumen war gewaltig: Ursprünglich waren 3,6 Millionen Euro netto vereinbart, doch durch diverse Nachträge kletterte die Summe auf rund 4,65 Millionen Euro. Bis Ende 2022 liefen die Arbeiten. Die Lüftungsfirma installierte komplexe Anlagen, die in einem Hochhaus für die Sicherheit unverzichtbar sind. Insgesamt erbrachte der Betrieb Leistungen für über 5,1 Millionen Euro brutto. Ein Großteil davon wurde bezahlt, doch im Winter 2022 änderte sich die Lage dramatisch. Die Bauherrin stellte die Zahlungen an die beteiligten Firmen ein. Ein Baustopp wurde verordnet. In Gesprächen bat die Eigentümerin des Grundstücks immer wieder um Stundungen. Gleichzeitig weigerte sie sich, eine Bauhandwerkersicherung gemäß § 650f BGB zu stellen – ein Instrument, das eigentlich genau für solche Situationen gedacht ist.

Die Reaktion der Spezialfirma

Für das Lüftungsunternehmen wurde die Luft dünn. Drei konkrete Schluss- und Teilrechnungen aus dem Frühjahr 2023 waren noch offen. Die Gesamtsumme: exakt 337.381,57 Euro….


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