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Urkundenfälschung ohne Unterschrift: Wann ist es nur ein Entwurf?

Ganzen Artikel lesen auf: Strafrechtsiegen.de

Eine Person verbreitete das Foto eines Schreibens mit offiziellem Anwalts-Briefkopf über WhatsApp und wurde wegen Urkundenfälschung ohne Unterschrift angeklagt. Obwohl der Empfänger das Dokument für echt hielt, beurteilten die Richter das verbreitete Schriftstück als rechtlich wertlos. Zum vorliegenden Urteil Az.: 206 StRR 368/25 | | Kontakt

Das Wichtigste in Kürze

  • Gericht: Bayerisches Oberstes Landesgericht
  • Datum: 14.11.2025
  • Aktenzeichen: 206 StRR 368/25
  • Verfahren: Revision
  • Rechtsbereiche: Strafrecht, Urkundenrecht, IT-Strafrecht

  • Das Problem: Eine Frau erstellte ein Schreiben im Layout einer Anwaltskanzlei ohne Unterschrift. Sie sandte das Dokument als Fotografie (Bilddatei) an einen Zeugen. Die Vorinstanzen verurteilten sie wegen Urkundenfälschung.
  • Die Rechtsfrage: Gilt ein Dokument ohne Unterschrift, das nur als Fotografie existiert, als eine fälschungsfähige Urkunde?
  • Die Antwort: Nein. Das Gericht sprach die Angeklagte frei und hob die Urteile der Vorinstanzen auf. Ein Schreiben ohne die übliche Unterschrift oder einen Ersatz ist nur ein Entwurf und keine Urkunde.
  • Die Bedeutung: Für eine Urkundenfälschung muss das Dokument die typischen Merkmale eines Originals aufweisen. Die digitale Weiterleitung einer Fotografie eines Papierdokuments stellt keine Fälschung beweiserheblicher digitaler Daten dar.

Urkundenfälschung ohne Unterschrift strafbar?

Eine Frau erstellt am Computer ein Schreiben, das dem Briefkopf einer Anwaltskanzlei nachempfunden ist, lässt aber die Unterschrift weg. Sie fotografiert den Ausdruck und leitet das Bild per WhatsApp weiter. Zwei Gerichte verurteilen sie daraufhin wegen Urkundenfälschung zu Haftstrafen. Doch der Fall landet in letzter Instanz vor dem Bayerischen Obersten Landesgericht (BayObLG), das in seinem Beschluss vom 14. November 2025 unter dem Aktenzeichen 206 StRR 368/25 eine grundlegende Frage des Strafrechts klärt: Wo endet die straflose Vorbereitung und wo beginnt die strafbare Fälschung? Das Ergebnis war ein vollständiger Freispruch, der die Entscheidungen der Vorinstanzen aufhob.

Darf man ein Anwaltsbriefkopf-Layout verwenden?

Die Angeklagte nutzte am 4. Oktober 2023 ein an sie gerichtetes Schreiben einer echten Rechtsanwaltskanzlei als Vorlage. Auf ihrem PC erstellte sie ein neues Dokument, das den Briefkopf dieser Kanzlei trug und sie selbst als Adressatin auswies. Der Text des Schreibens war jedoch auffällig unvollständig: Es fehlten sowohl eine Anrede als auch eine Grußformel. Entscheidend war jedoch, dass das Dokument nicht unterzeichnet war. Am Ende des Textes standen lediglich die getippten Worte „A. B. Rechtsanwalt“. Von diesem Computerausdruck fertigte die Frau eine Fotografie an. Diese Bilddatei versendete sie per WhatsApp und E-Mail an einen Zeugen. Dieses Vorgehen hatte weitreichende Konsequenzen. Das Amtsgericht Augsburg verurteilte sie am 15. Oktober 2024 wegen Urkundenfälschung in Tateinheit mit versuchtem Betrug zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Im Berufungsverfahren vor dem Landgericht Augsburg wurde das Urteil am 24. Juni 2025 zwar abgemildert, aber im Kern bestätigt. Der Vorwurf des versuchten Betrugs fiel weg, doch die Verurteilung wegen Urkundenfälschung blieb bestehen, was zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten führte. Dagegen legte die Angeklagte Revision ein und rügte die Verletzung materiellen Rechts.

Was ist eine Urkunde im strafrechtlichen Sinne?…


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