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Postzustellungsurkunde widerlegen mit Gegenbeweis: Frist beginnt mit Zugang

Ganzen Artikel lesen auf: Strafrechtsiegen.de

Ein Angeklagter in einem Strafverfahren musste die Frist der Revisionsbegründung beweisen und versuchte, die Postzustellungsurkunde zu widerlegen. Entscheidend war, dass eine einfache Farbkopie des leeren Zustellungsumschlags den Beweis des fehlenden Zustelldatums erbrachte. Zum vorliegenden Urteil Az.: 205 StRR 319/24 | | Kontakt

Das Wichtigste in Kürze

  • Gericht: Bayerisches Oberstes Landesgericht
  • Datum: 04.10.2024
  • Aktenzeichen: 205 StRR 319/24
  • Verfahren: Revisionsverfahren
  • Rechtsbereiche: Strafprozessrecht, Zustellungsrecht

  • Das Problem: Ein Landgericht verwarf die Revision eines Angeklagten als unzulässig, da die Begründungsfrist angeblich abgelaufen war. Das Gericht stützte sich auf eine offizielle Postzustellungsurkunde mit einem Zustelldatum am Samstag. Der Anwalt behauptete, dieses Datum sei falsch und er habe das Dokument erst am folgenden Montag erhalten.
  • Die Rechtsfrage: Zählt das auf einer offiziellen Zustellungsurkunde vermerkte Datum zwingend, oder kann ein Anwalt mit Beweismitteln erfolgreich nachweisen, dass das Dokument tatsächlich erst später zuging und die Frist daher eingehalten wurde?
  • Die Antwort: Ja, der Gegenbeweis war erfolgreich. Das Gericht entschied, dass der Anwalt die Unrichtigkeit der Urkunde beweisen konnte, da das gesetzlich vorgeschriebene Zustelldatum auf dem Umschlag fehlte. Die Revisionsbegründung war somit fristgerecht, der Verwerfungsbeschluss wurde aufgehoben; die Revision wurde aber in der Sache als unbegründet verworfen.
  • Die Bedeutung: Öffentliche Zustellungsurkunden haben zwar eine hohe Beweiskraft, können aber durch überzeugende Gegenbeweise wie eidesstattliche Versicherungen entkräftet werden. Fehlt bei einer Ersatzzustellung ein zwingender Vermerk (wie das Datum auf dem Umschlag), zählt rechtlich der tatsächliche Zugangstag.

Postzustellungsurkunde anfechten: Wann ist sie ungültig?

Ein unscheinbarer gelber Umschlag, zugestellt an einem Samstag, wurde zum Dreh- und Angelpunkt eines Rechtsstreits, der bis vor das Bayerische Oberste Landesgericht (BayObLG) führte. In seinem Beschluss vom 4. Oktober 2024 (Az. 205 StRR 319/24) musste das Gericht eine fundamentale Frage klären: Was wiegt schwerer – die amtliche Urkunde, die eine Zustellung an einem bestimmten Tag beweist, oder die handfesten Beweise, dass diese Urkunde fehlerhaft sein muss? Die Entscheidung illustriert eindrücklich, dass selbst die starke Beweiskraft einer öffentlichen Urkunde nicht unumstößlich ist.

Was gilt, wenn das Zustelldatum auf dem Umschlag fehlt?

Wenn das Zustelldatum auf dem Umschlag fehlt, obwohl es gesetzlich vorgeschrieben ist, gilt die Zustellung erst mit dem tatsächlichen Zugang des Dokuments beim Empfänger als bewirkt. Ein solcher Formfehler heilt nicht von selbst, sondern verschiebt den für Fristen entscheidenden Zeitpunkt. Im konkreten Fall begann der Konflikt nach einer Verurteilung wegen versuchter Nötigung durch das Amtsgericht Dillingen. Sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft legten Berufung ein. Das Landgericht Augsburg verschärfte am 4. Juni 2024 die Geldstrafe. Der Verteidiger des Angeklagten legte daraufhin am 5. Juni 2024 fristgerecht Revision ein. Um die einmonatige Frist für die Revisionsbegründung in Gang zu setzen, ordnete das Gericht die förmliche Zustellung des Urteils an den Verteidiger an. Hier beginnt die Kette der entscheidenden Ereignisse. Laut der Postzustellungsurkunde, einem offiziellen Dokument, versuchte eine Zustellerin am Samstag, dem 15….


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