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Bußgeld wegen Verletzung der Schulpflicht: Wann reicht die Urteilsbegründung?

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Zwei Eltern wurden mit einem hohen Bußgeld belegt, weil sie die Schulpflicht ihres Kindes vorsätzlich verletzt hatten. Das Oberste Landesgericht hob das Urteil auf, weil die Begründung die Pflichten der Eltern nicht ausreichend darlegte – selbst für die Mutter, die nicht geklagt hatte. Zum vorliegenden Urteil Az.: 202 ObOWi 1584/22 | | Kontakt

Das Wichtigste in Kürze

  • Gericht: Bayerisches Oberstes Landesgericht
  • Datum: 20. Februar 2023
  • Aktenzeichen: 202 ObOWi 1584/22
  • Verfahren: Ordnungswidrigkeiten-Verfahren (Bußgeld)
  • Rechtsbereiche: Ordnungswidrigkeitenrecht, Schulrecht, Verfahrensrecht

  • Das Problem: Ein Vater und seine Ehefrau wurden zu einem Bußgeld verurteilt, weil ihr minderjähriger Sohn nicht am Schulunterricht teilnahm. Der Vater legte Rechtsbeschwerde ein, da die Begründung des erstinstanzlichen Gerichts keine konkreten Angaben zu seinen Pflichtverletzungen enthielt.
  • Die Rechtsfrage: Muss ein Gericht in einem Bußgeldurteil wegen Verletzung der Schulpflicht detailliert erklären, welches konkrete Verhalten der Eltern zur Pflichtverletzung führte und welche Maßnahmen von ihnen verlangt wurden?
  • Die Antwort: Ja. Das Urteil wurde aufgehoben, weil die Begründung des Amtsgerichts so lückenhaft war, dass eine rechtliche Überprüfung der tatsächlichen Schuldfrage unmöglich wurde. Das Gericht muss insbesondere die erforderlichen Maßnahmen und die Beweiswürdigung nachvollziehbar darlegen.
  • Die Bedeutung: Auch in Bußgeldverfahren müssen Gerichte die Urteile präzise begründen, um die objektive und subjektive Schuld der Betroffenen nachprüfbar zu machen. Die Aufhebung des Urteils erstreckte sich aus Gerechtigkeitsgründen auch auf die Ehefrau, obwohl diese kein eigenes Rechtsmittel eingelegt hatte.

Bußgeld Schulpflicht: Wann ist ein Urteil mangelhaft?

Ein Bußgeld in Höhe von 500 Euro schien für ein Elternpaar aus Würzburg bereits eine beschlossene Sache zu sein, nachdem ihr Sohn die Schule versäumt hatte. Doch der Fall nahm eine unerwartete Wendung, als nicht die Schuldfrage, sondern die Qualität der richterlichen Begründung in den Fokus rückte. In einem bemerkenswerten Beschluss vom 20. Februar 2023 (Az.: 202 ObOWi 1584/22) hob das Bayerische Oberste Landesgericht (BayObLG) das Urteil auf – nicht weil die Eltern nachweislich unschuldig waren, sondern weil die Urteilsgründe des Amtsgerichts so lückenhaft waren, dass eine rechtliche Überprüfung unmöglich wurde.

Was müssen Eltern bei Schulversäumnissen tun?

Eltern sind nach dem bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetz verpflichtet, dafür zu sorgen, dass ihre schulpflichtigen Kinder regelmäßig am Unterricht und an sonstigen verbindlichen Schulveranstaltungen teilnehmen. Diese Pflicht ist in Art. 74 Abs. 2 Satz 1 und Art. 76 Satz 2 des Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes (BayEUG) verankert. Eine vorsätzliche Verletzung dieser Pflicht stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die nach Art. 119 Abs. 1 Nr. 2 BayEUG mit einer Geldbuße geahndet werden kann. Im konkreten Fall ergingen gegen einen Vater und seine Ehefrau Bußgeldbescheide, weil ihr 2012 geborener Sohn nicht zur Schule ging. Das Amtsgericht Würzburg bestätigte die Vorwürfe in seinem Urteil vom 4. August 2022 und verurteilte beide Elternteile zu einer Geldbuße von jeweils 500 Euro. Während die Mutter das Urteil akzeptierte und es damit am 19. August 2022 für sie rechtskräftig wurde, legte der Vater Rechtsbeschwerde ein….


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